Bitcoin & der geheime Bärenmarkt
Während die breite Masse sich sicher ist, 2025 das Top des Bullenmarktes miterlebt zu haben, durchliefen wir in Wahrheit einen versteckten Bärenmarkt.
In diesem Beitrag betrachten wir die Gesamtdatenlage über alle relevanten Ebenen hinweg – Charttechnisch, Makroökonomisch, On-Chain, Fundamental & Sentimentbasiert.
Am Ende werden wir ein vollständiges Bild erhalten, das einerseits Licht ins Dunkel bringt und außerdem folgende Thesen stützt:
Das ist kein klassischer Bärenmarkt, der 4-Jahres-Zyklus ist Geschichte.
Statt dem Anfang nähern wir uns einem Ende des Bärenmarktes.
Bitcoin wird im Folgejahr 2026 neue Allzeithöchststände erreichen.
Um die Grundlage zu verstehen, auf deren Basis ich diese Aussagen treffe, ist es unbedingt notwendig, bis zum Schluss zu lesen. Es könnte zwar etwas umfangreicher werden, aber ich verspreche dir: Es wird sich lohnen.
Unsere Reise beginnt am 04. März 2024, dem ersten Allzeithoch in Bitcoins Geschichte, das vor einem Halving geschah. Keine 60 Tage nach dem Launch der Bitcoin Spot ETFs, dem Beginn der Institutionalisierung von Bitcoin als Asset-Klasse. Zum ersten Mal seit über 16 Jahren bröckelt die 4-Jahres-Zyklustheorie, laut der das Halving durch sinkendes Angebot regelmäßig massive Preisanstiege auslöst.
Die nächste Anomalie trat am 18. März 2025 auf, als der Founder des führenden On-Chain-Unternehmens CryptoQuant auf einmal den Bärenmarkt ausrief. Mit den Worten „Every on-chain metric signals a bear market“ prognostizierte er sehr selbstsicher 6–12 Monate bärischen oder seitwärtsgerichteten Preisverlauf.
Das geschah direkt nach dem zweiten stärkeren Abverkauf von Bitcoin innerhalb seines Bullenmarktzyklus. Als kurze Zeit später der Kurs sich wieder erholte, schien er falsch gelegen zu haben und wurde öffentlich angeprangert und diskreditiert. Doch während in dieser Zeit ein Großteil der Anleger, verunsichert durch Trumps Zollpolitik und die damit einhergehende makroökonomische Unsicherheit, auf den Markt blickte, geschah unter der Oberfläche eine gänzlich neue Entwicklung: eine Umverteilung in der Halterbasis von Bitcoin.
Knapp ein Viertel Million Bitcoin flossen aus den Händen von Individuen in die Hände von Institutionellen.
Dieses Muster sahen wir bereits im Vorjahr schon einmal. Erinnerst du dich an das angesprochene Allzeithoch vor dem Halving, kurz nach dem Bitcoin Spot ETF Launch? Direkt nachdem wir dieses Allzeithoch gebildet haben, ging Bitcoin in eine monatelange Korrekturphase über. Auch hier konnten wir ähnliche Kapitalflüsse beobachten.
Und obwohl 2025 unser drittes und finales Bullenmarktjahr werden sollte, verlief die Price Action eher verhalten. Nach dem harten Abverkauf zu Beginn des Jahres und der anschließenden Erholung bekamen wir statt einem Bullrun eine monatelange Seitwärtsphase, in der Bitcoin zwischen 100.000 und 120.000 US-Dollar konsolidierte.
Das lag nicht zuletzt daran, dass wir bei vielen OG-Bitcoin-Walen Gewinnmitnahmen im größeren Stil gesehen haben. Der Bitcoiner James Lavish bezeichnete dies in seinem Artikel als Bitcoins geheimen IPO. Ein IPO (Initial Public Offering) ist der Moment, in dem eine Aktie zum ersten Mal der breiten Masse angeboten wird. Gleichzeitig ist es ein Moment, in dem frühe Anteilshaber die Chance haben, ihre Anteile mit hohen Gewinnen zu verkaufen, dank der Masse an neuer Liquidität, die in den Markt fließt.
Bitcoin-Wale erkannten die zunehmende Beteiligung von institutionellen Playern und sahen eine Möglichkeit, große Mengen an Bitcoin oberhalb der magischen 100.000-US-Dollar-Marke zu verkaufen, ohne den Preis ins Bodenlose krachen zu lassen.
Ki Young Ju, der im März den Beginn des Bärenmarktes und fortlaufende Seitwärts-Preisbewegungen prognostizierte, erklärte nun, dass er seine Meinung leicht geändert hätte. Statt eines vollumfänglichen Bärenmarktes sähe er die aktuellen Abverkäufe eher als eine Rotation unter Langzeithaltern.
Von OG-Bitcoinern zu institutionellen Marktteilnehmern wie Staatsfonds, Unternehmen oder Pensionsfonds. Seiner Aussage nach ist die herkömmliche Zyklustheorie gebrochen, solange diese nachhaltigen Kapitalströme nicht aufhören, in den Markt zu fließen.
Um genau diese Kapitalströme etwas zu verdeutlichen, können wir uns die folgende Grafik anschauen, auf der wir die Netto-Inflows und -Outflows erkennen können. Wir sehen einerseits wieder das bekannte Bild von Individuen, die ihre Bitcoin abstoßen, und Institutionellen, die diese dankend aufsammeln, als auch einen Überhang bei den Inflows.
Für die meiste Zeit in 2025 konnte die institutionelle Nachfrage die Gewinnmitnahmen der Bitcoin-Wale auffangen.
Kommen wir zurück zu unserer 4-Jahres-Zyklustheorie. Normalerweise sehen wir seit 15 Jahren dasselbe Muster: drei grüne Bullenmarktjahre (positive Rendite), gefolgt von einem roten Bärenmarktjahr (negative Rendite). Aktuell notiert Bitcoin unterhalb seines Jahreseröffnungskurses. Dementsprechend ist 2025 Stand jetzt ein Jahr mit negativer Rendite, obwohl es eigentlich laut Zyklustheorie unser finales Bullenmarktjahr darstellen sollte.
Das stellt uns vor ein Problem. Denn solange wir nicht 2025 auf magische Weise oberhalb von 94.440 US-Dollar schließen und erst im Nachhinein in den „Bärenmarkt“ fallen, ist die Zyklustheorie gebrochen. Wenn 2025 negativ schließt, kann man faktisch nicht mehr von einem normalen Zyklus sprechen. Dementsprechend ist es auch gar kein Problem zu unterstellen, dass sich dieser Zyklus verlängern könnte, denn das alte Zyklusmuster ist tot.
Rückblickend ist das gar nicht so verwunderlich. Schon oft haben Assetklassen grundlegende Änderungen in ihrem zyklischen Verhalten angenommen, nachdem sie von der Wall Street adaptiert wurden. Das beste Beispiel ist Gold, das nach einer initialen Schwächephase und Abverkäufen in einen achtjährigen Bullenmarkt überging, direkt nach Einführung der Gold Spot ETFs.
Der Hauptgrund dafür, dass ich mich in der letzten Zeit so bullisch geäußert habe, war das geldpolitische Umfeld. Seit nun fast vier Jahren befinden wir uns in einer makroökonomischen Kontraktion. Wir senken Liquidität (QT) und erhöhen die Zinsen. Erst Ende 2024 begann die FED wieder, die Zinsen zu senken, allerdings war es kein nachhaltiger Beginn eines Kürzungszyklus.
Es gibt nichts, was mehr Einfluss auf Kapitalmärkte hat als Zinsen und Liquidität. Rational gesehen verlieren alle anderen Indikatoren und Analysemodelle ihre Aussagekraft, wenn sich das geldpolitische Umfeld ändert. Bitcoin ist zwar nicht abhängig von Liquidität, er kann auch ohne sie steigen. Wie jedoch verschiedene Studien gezeigt haben (z.B. Lynn Alden in „Bitcoin: A Global Liquidity Barometer“), reagiert Bitcoin am sensibelsten auf neu geschaffene Liquidität.
Am 29. Oktober 2025, beim letzten FOMC-Meeting, verkündete FED-Vorsitzender Jerome Powell das Ende von QT am 1. Dezember. Nach vier Jahren endet der aktive Liquiditätsentzug der Notenbank. Des Weiteren machte er eine wichtige Bemerkung, die von den wenigsten aufgegriffen wurde. Er beschrieb, dass die Notenbank zwar aufhören würde, Liquidität zu entziehen, es aber natürliche Faktoren gibt, die das weiterhin tun. Das würde dazu führen, dass die Bankreserven weiter fallen würden – und das gilt es zu verhindern. Dementsprechend kündigte er vorsorglich an, dass sie diesen Effekt eine Zeit lang beobachten werden, aber nicht für eine sehr lange Zeit. Im Anschluss würden sie beginnen, aktiv ihre Bilanz auszuweiten, um die Reserven graduell mit dem Wachstum der Wirtschaft mitsteigen zu lassen.
Auch wenn sie es nicht als QE bezeichnen, so hat diese Bilanzausweitung den genau gleichen Effekt. Das letzte Mal sahen wir eine ähnliche Situation im September 2019. Innerhalb von vier Monaten erhöhte die FED ihre Bilanz um über 400 Milliarden US-Dollar. Als Reaktion stieg Bitcoin um 60 %.
Fun Fact: Kurz davor war genau der Moment, in dem der aktuell berühmt-berüchtigte 50W-SMA-Indikator versagt hatte und wir trotz mehr als sechs Wochenschlüssen unter dem gleitenden Durchschnitt nicht in einen Bärenmarkt fielen.
Wenn du mehr über die aktuelle Lage der Geldpolitik wissen willst und warum die Notenbank höchstwahrscheinlich sehr bald wieder gezwungen ist, aktiv Geld zu drucken, empfehle ich dir meinen Beitrag zu dem Thema: https://x.com/tomdyor/status/1986436508010557645?s=20
Bezüglich unserer Zyklustheorie gibt es interessanterweise führende Makro-Analysten, die sagen, dass es möglich sei, dass wir am Anfang eines brandneuen Liquiditätszyklus stehen könnten. Demzufolge könnten wir einen vollen Zyklus von 2022 bis Anfang 2025 gesehen haben, der Anfang 2025 mit dem zollgetriebenen Wachstumsschock endete. Erinnerst du dich? Das war genau dann, als der Founder von CryptoQuant sagte, dass wir uns jetzt in einem Bärenmarkt befänden und bearishe Price Action prognostizierte.
Jetzt, wo wir viele Argumente angeführt haben, warum der herkömmliche Zyklus Geschichte ist und wir bereits einen größeren Teil des “Bärenmarktes” hinter uns haben könnten, stellt sich jeder eine Frage: Wie geht es preislich weiter?
An dieser Stelle macht es Sinn, die chartanalytische Perspektive hinzuzuziehen. Keine Angst, auch diesen Part bekommen wir gemeinsam hin, ohne fachchinesisch reden zu müssen. Bis vor kurzem gingen wir auf Seiten der Chartanalyse noch davon aus, dass es sich um eine normale Mid-Cycle-Korrektur handelt, die in der Region um die 92.000–84.000 US-Dollar ihren Boden findet. Nachdem die lokalen Preisbewegungen aber deutlich heftiger ausfielen, mussten wir unsere These überdenken.
Es stellt sich aber heraus, dass es ein Szenario gibt, das deutlich besser in das übergeordnete Bild passt.
In diesem Szenario hätten wir eine vollständige Aufwärtsstruktur bereits schon Ende 2024 abgeschlossen und befänden uns seitdem – im gesamten Jahr 2025 – in einer korrektiven Struktur. Korrektive Strukturen können auch zu Anstiegen und sogar neuen Allzeithochs führen, sind allerdings nicht nachhaltig und es fehlt jegliche Impulsivität, Stärke im Kurs.
Unser letztes Allzeithoch wäre demnach eine überschießende B-Welle. Diese Art von korrektiver Struktur hat eine besondere Charakteristik:
Eine überschießende B-Welle wirkt wie ein bullischer Ausbruch und suggeriert vielen Investoren, dass der Trend bereits weiterläuft. Dadurch steigen sie zu spät und zu hoch ein, oft aus FOMO, während Smart Money diese Liquidität nutzt, um Positionen abzuladen. Danach folgt die impulsive C-Welle nach unten, die die späten Käufer „in die Falle laufen lässt“.
Nach einer solchen Korrektivstruktur erwartet man einen starken, übergeordneten Ausbruch zu Oberseite. Laut Fahrplan befänden wir uns in den letzten Etappen der finalen Abwärtsbewegung.
Ein weiteres wichtiges Indiz für unser übergeordnetes Bild ist die Bitcoin/Gold-Bewertung. Warum ist sie so ausschlaggebend? Viele argumentieren, dass wir ja krasse Anstiege gesehen hätten in diesem Bullenmarkt und es deshalb ganz normal wäre, jetzt in den Bärenmarkt zu gehen.
Das ist falsch. Diese „krassen Anstiege“ beziehen sich auf BTC/USD, einen inflationierenden Denominator. Statt Bitcoin in Fiat zu bemessen, macht es viel mehr Sinn, hartes Geld mit anderem hartem Geld zu vergleichen.
Seit 15 Jahren baut Bitcoin nachhaltige Allzeithochs in seiner Goldbewertung aus. Der Trend ist – genauso wie bei seiner Dollarbewertung – eindeutig: Mit jedem Zyklus sehen wir nachhaltiges Wachstum. In diesem Zyklus haben wir zwar temporär das Allzeithoch rausgenommen, sind aber nie nachhaltig darüber gekommen.
Unter Anwendung der Chartanalyse wird deutlich, dass die Bitcoin/Gold-Bewertung sich in der genau gleichen Struktur befindet wie die Bitcoin/USD-Bewertung. Mit dem einzigen Unterschied, dass diese schon etwas weiter fortgeschritten ist in ihrer Struktur und bereits das vorherige Tief der ersten korrektiven Abwärtsbewegung unterschritten hat.
Jetzt zur finalen und wichtigsten Frage: Wie tief fallen wir noch?
Nutzen wir die chartechnischen Werkzeuge, ergibt sich ein optimaler Zeitraum für die Bodenbildung zwischen Januar-März 2026 und ein optimales Kursniveau von $67.000-51.000. Persönlich würde ich es eher auf $67.000-62.000 eingrenzen.
Sowohl in dem Chart von BTC/USD als auch im BTC/GOLD-Chart sehen wir, dass nach unten bis zu unseren Unterstützungsleveln noch einiges an Abwärtspotenzial vorhanden ist. Es gibt vier Gründe, warum ich denke, dass wir trotzdem nicht unter die Marke von 50.000 US-Dollar fallen werden.
Genauer genommen sogar niemals wieder mehr.
1. Wir sind bereits stark überverkauft.
Bei BTC/USD befinden wir uns bereits auf Drei-Tages-Basis im überverkauften Bereich. Wenn wir weiterhin anhaltenden Abverkaufsdruck verzeichnen können, werden wir schon sehr bald auf Wochenbasis überverkauft sein. Diesen Wert sahen wir in den letzten 15 Jahren Bitcoin-Geschichte dreimal, jedes einzelne Mal war auf den Niveaus von Bärenmarktböden.
Die BTC/GOLD-Bewertung ist bereits schon auf Wochenbasis im überverkauften Bereich angelangt. Auch hier verhält es sich gleich: Es geschah jedes Mal an überzyklischen Trendwendepunkten.
2. Die Bitcoin Power Law
Im Gegensatz zu vielen unterschiedlichen Indikatoren und Zyklusmodellen basiert die Power Law auf etwas gänzlich anderem. Sie basiert auf einer strukturellen, mathematischen Beziehung zwischen Zeit, Adoption und Netzwerkeffekten. Sie beschreibt kein Verhalten von Marktteilnehmern, sondern den langfristigen Skalierungspfad eines monetären Netzwerks.
Bitcoin ist das einzige investierbare Asset jemals, dessen Preis der natürlichen Wachstumskurve einer Power Law folgt. Sowas gab es noch nie, sowas gab es nie wieder. Normalerweise finden wir Power Laws in der Natur, in Ökosystemen, Erdbebenstärken, im Wachstum sozialer Netzwerke oder auch in der Verteilung der Sterne in der Galaxie.
Seit 16 Jahren verfolgt Bitcoin den Trendkanal ohne Ausnahme. Auch wenn es kein Garant auf zukünftigen Preisverlauf bietet, so ist das Power-Law-Modell das beste und wissenschaftlich akkurateste, was wir in Bezug auf Bitcoins Preis haben.
Aktuell verläuft die untere Unterstützungslinie bei etwa 48.000 US-Dollar. Ab dem 20. Dezember 2025 wird sie oberhalb von 50.000 US-Dollar notieren.
3. Die neue Halterbasis
Während die Retail-Investoren in Panik verfallen und den Bärenmarkt ausrufen, kauft das Smart Money fleißig weiter ein. Erst in diesem Monat (November) kündigte die Elite-Universität Harvard an, ihre Bitcoin-Bestände ausgebaut zu haben. Mit etwa 20 % nimmt Bitcoin jetzt die größte Position in ihrem Portfolio ein. Auch der Staatsfonds Abu Dhabis hat im 3. Quartal 2025 seine Bitcoin-Position verdreifacht, ähnlich wie Harvard, auf etwa eine halbe Milliarde US-Dollar.
Diese und die anderen institutionellen Investoren, die wir am Anfang des Artikels behandelt haben, kaufen nicht für kurzfristige Preisbewegungen. Sie spekulieren nicht auf 30–50 % Rendite und verkaufen panisch, wenn sie in den Verlust laufen. Sie sichern sich ihren Anteil am begrenztesten Gut der Welt, dem globalen unabhängigen Zahlungsnetzwerk, das von der Elite inzwischen als ebenbürtig gegenüber Gold als Wertspeicher angesehen wird. Diese neue Halterbasis hat ihre verstärkte Akkumulation erstmalig in den Kursbereichen $74.000-48.000 begonnen.
4. Das Sentiment
Kapitalmärkte sind in ihrer Preisbildung ein Nullsummenspiel: Gewinne und Verluste gleichen sich aus. Damit ist die breite Masse nicht nur meistens falsch, sie muss es zwangsläufig sein, sonst könnten Gewinner überhaupt nicht existieren. Das ist kein Bauchgefühl, sondern Kernprinzip der Marktmikrostruktur und Behavioral Finance.
Trotzdem würde ein Großteil des Marktes, diesen kommende Bärenmarkt als „offensichtlich“ an. Jeder hätte jetzt Monate Zeit sich darauf vorzubereiten, auf eine Korrektur von -40% bis -50% Drop unter $50.000. Genau das macht dieses Narrativ so unrealistisch. In der gesamten Historie der Kapitalmärkte existiert kein einziges Beispiel, in dem ein großer Bärenmarkt exakt so eingetreten ist, wie es die Mehrheit frühzeitig erwartet hat.
Die Gründe dafür sind wissenschaftlich gut dokumentiert: Reflexivität (Soros), Sentiment-Extrempunkte, Positioning Dynamics und die Grundlogik effizienter Märkte. Wenn ein massiver Crash tatsächlich vor der Tür stünde, würde niemand die Zeit bekommen, sich bequem darauf vorzubereiten. Märkte drehen dort, wo es die wenigsten erwarten, nicht dort wo es jeder Monate im Voraus einpreist.
Wer heute argumentiert, dass Bitcoin einfach genau so kollabiert, wie es aktuell ein Großteil der Marktteilnehmer erwarten, sagt damit indirekt, dass dieser Bärenmarkt der erste in der Geschichte wäre, der exakt nach dem Drehbuch der Masse abläuft. Das ist marktpsychologisch so gut wie unmöglich.
Worauf es wirklich ankommt
All das Hin und Her, das wir gerade so ausführlich besprochen haben, ist am Ende eigentlich zu vernachlässigen. Ich wollte mit diesem Post nur eines erreichen: meine persönliche Einschätzung sachlich, nüchtern und objektiv darzulegen. Zu zeigen, warum ich mir so sicher bin, dass es das noch nicht gewesen ist.
Wenn du dir nur eine Sache aus diesem gesamten Beitrag mitnimmst, dann bitte die Folgende. Denn das, worüber wir jetzt sprechen, stellt jede Diskussion darüber, ob Bitcoin in den nächsten Wochen oder Monaten steigt oder fällt, völlig in den Schatten.
Zentralbanken werden wieder Geld drucken. Punkt.
Es ist dabei völlig unerheblich, ob das noch dieses Jahr oder erst nächstes Jahr passiert. Es wird passieren. Das Kartenhaus, auf dem unser globales Geldsystem ruht, beginnt zu bröckeln. Und sie wissen das.
Sie wissen, dass das, wovon sie Herausgeber sind, realwirtschaftlich vollkommen wertlos ist, schlimmer noch: dass es Kaufkraft in Echtzeit vernichtet. Und sie merken, dass immer mehr Menschen das ebenfalls verstehen.
Je stärker die Spannungen im System, desto drastischer müssen ihre Maßnahmen ausfallen. Und genau das sehen wir bereits: Liquidität bereitstellen, ohne wirtschaftlichen Grund. Bilanzausweitung um die Folgen struktureller Instabilität zu kaschieren.
Um sich im Vorfeld gegen den absehbaren Vertrauensverlust ihres eigenen Produkts abzusichern, beginnen Zentralbanken seit einiger Zeit wieder verstärkt Gold zu akkumulieren.
Warum? Weil Gold seit tausenden Jahren das ist, was ihr eigenes Produkt nicht mehr ist: Geld mit Wertspeicherfunktion.
Analysten der Deutschen Bank erwarten, dass Bitcoin bis 2030 ähnlich wie Gold auf den Bilanzen von Zentralbanken koexistieren wird.
Genau diese Entwicklung sehen wir auch jetzt schon. Die tschechische Zentralbank ist seit diesem Jahr die erste europäische Zentralbank, die eine erste Testinvestition getätigt hat. Selbst Jerome Powell – der Vorsitzende der mächtigsten Zentralbank der Welt – sagt inzwischen offen, dass Bitcoin zwar wie eine Tech-Aktie gehandelt wird, aber in Wahrheit digitales Gold ist.
Während also der durchschnittliche Krypto-Investor denkt, dass die Welt untergeht und darauf wartet, dass er gegen Ende nächsten Jahres Bitcoin wieder im Bärenmarkt bei 30–40.000 US-Dollar kaufen kann (weil es ja „schon immer so war“), werden ihm die geringe Menge an verbleibenden Bitcoin unter der Nase weggekauft.
Wer seit 2017 Bitcoin hält, hat in diesem Zeitraum 847 % Rendite gemacht. Wer im gleichen Zeitraum investiert war, aber innerhalb von knapp acht Jahren lediglich die zehn besten Handelstage verpasst hat, landete stattdessen bei –23 %.
Statt zu versuchen, den Markt zu timen, muss man sich bewusst machen, dass wir die Monetarisierung eines vollkommen neuen geldigen Assets miterleben, das in seiner Menge absolut begrenzt ist.
Das Ziel eines jeden Investors, der maximale Rendite und langfristige Kaufkraftsteigerung anstrebt, sollte nicht darin bestehen, möglichst viele Euro durch günstiges Kaufen und teures Verkaufen zu verdienen, sondern – genau wie institutionelle Anleger – so viel wie möglich von dieser begrenzten Ressource zu akkumulieren.
Der digitale Goldrausch begann offiziell mit der Institutionalisierung und breiten Akzeptanz der Finanzelite. Achtet darauf, wie diese über Bitcoin kommunizieren, achtet darauf, wie sie sich positionieren.
Sie haben lange gewartet, aber jetzt ist ihr Engagement endgültig – ausgelegt auf Dekaden. So entsteht realer Wohlstand. Nicht durch Angst, nicht durch hektisches oder newsgetriebenes Market-Timing. Sondern durch den einzigen wirklich wahren Edge, den es in diesem Markt gibt:
Einen längeren Zeithorizont und die Geduld, ihn auszuhalten.


















Sehr gut analysiert. Danke
Das Kursziel für den aktuellen Bärenmarkt sehe ich auch. 63k wären -50% vom ATH.